Entwicklung der Geschäfts- und Rahmenbedingungen
Die wirtschaftliche Entwicklung der Rentenbank wird im Wesentlichen von den Rahmenbedingungen an den Kredit- und Finanzmärkten geprägt. Diese werden maßgeblich durch die Geldpolitik der Notenbanken, die Preis- und Währungsentwicklung sowie die Entwicklung der öffentlichen Finanzen beeinflusst.
Volkswirtschaftliche Prognose
Die durchgängigen Unsicherheiten des Jahres 2025, die durch geopolitische Auseinandersetzungen, die erratische US-Zollpolitik und weitere handelspolitische Spannungen verursacht wurden, werden sich auch 2026 fortsetzen und die Wirtschaftstätigkeit weltweit in unterschiedlichem Ausmaß belasten. Als Exportnation ist Deutschland davon in besonderem Maße betroffen.
Im Jahr 2026 ist laut Internationalem Währungsfonds (IWF) mit einem Wachstum der Weltwirtschaft in Höhe von 3,3 % zu rechnen. Für Deutschland erwartet der IWF allerdings einen deutlich geringeren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von lediglich 1,1 % zum Vorjahr.1 Dieses Wachstum dürfte laut Bundesbank im Wesentlichen durch den expansiven Fiskalkurs der Bundesregierung mit zusätzlichen staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur getragen werden.2
Die Preisentwicklung dürfte sich weiter seitwärts entwickeln. Der Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) wird laut Bundesbank im Jahr 2026 nahezu unverändert zum Vorjahr liegen, im Jahresdurchschnitt bei 2,2 % nach 2,3 % im Vorjahr3. Damit liegt der Wert nur knapp oberhalb des Zielwertes der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 %.
Vor dem Hintergrund niedriger Inflationsraten ist derzeit nicht mit Leitzinserhöhungen in der Euro-Zone oder in den USA zu rechnen. Aufgrund des steigenden Finanzierungsbedarfs staatlicher Emittenten und ersten Zinserhöhungen in Japan erwartet die Rentenbank im weiteren Jahresverlauf jedoch am Kapitalmarkt eher eine steilere Zinsstrukturkurve bei anhaltender Volatilität. Bei Verschärfung der geopolitischen Spannungen ist die Flucht in sichere Staatsanleihen mittlerweile nicht mehr zwangsläufig gegeben, sondern auch in diesem Segment könnten künftig höhere Risikoprämien seitens der Investoren gefordert werden.
Prognose des wirtschaftlichen Umfelds im Fördergeschäft
Die Investitionstätigkeit in der Land- und Ernährungswirtschaft und damit auch die Nachfrage nach Programmkrediten wird durch zahlreiche Faktoren bestimmt. Dazu gehört auch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die die Nachfrage und Preise auf den Agrarmärkten beeinflusst. Das Investitionsverhalten in der Landwirtschaft hängt aber auch stark von den politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie von öffentlicher Förderung ab.
Der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) rechnet für das laufende Wirtschaftsjahr 2025/26 für die landwirtschaftlichen Unternehmen in allen Betriebsformen mit rückläufigen Unternehmensergebnissen. Trotz bundesweit hoher Marktfrucht- und Grundfutterträge der Ernte 2025 stehen die Betriebe vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen, da die Marktpreise insbesondere für Ackerfrüchte und für die meisten tierischen Produkte unter Druck stehen, nicht zuletzt auch durch die herausfordernden Bedingungen auf den nationalen und internationalen Agrarmärkten. Bei den Betriebsmitteln sieht der VLK eine leichte Entspannung bei den Ausgaben für Saat- und Pflanzgut sowie Heizstoffe. Demgegenüber stehen höhere Kosten bei Düngemitteln, Pflanzenschutz, Dienstleistungen und Personal.4
Das von der Rentenbank in Auftrag gegebene „Rentenbank-Agrarbarometer“ enthält die Einschätzung der aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Lage der Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland. Laut den aktuellen Befragungsergebnissen aus dem Dezember 2025 hat sich die Beurteilung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage im Vergleich zur September-Umfrage weiter verschlechtert. Betriebe mit Schweine- und Geflügelhaltung beurteilen ihre zukünftige wirtschaftliche Lage etwas besser als andere Betriebsformen. Hohe Kosten für Betriebsmittel, Agrarpolitik und niedrige Erzeugerpreise sind die Hauptgründe für negative Beurteilungen. Trotz der angespannten Stimmung planen 62 % der Befragten Investitionen (vorherige Umfrage: 60 %), wenn auch mit etwas geringerem durchschnittlichen Investitionsvolumen.5
Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland bietet auch für Unternehmen der Ernährungswirtschaft Wachstumschancen. Dennoch bleiben Herausforderungen insbesondere bei den Lohn- und Energiekosten bestehen, ebenso wie die Unsicherheiten durch geopolitische Krisen und US-Zölle die Exporte belasten. Bestimmte Ernährungstrends der letzten Jahre werden sich fortsetzen, zum Beispiel Gesundheitsorientierung, Nachhaltigkeit und Convenience.6
Im Bereich der erneuerbaren Energien erwartet die Rentenbank weitere Wachstumsimpulse. Für das Jahr 2026 erwartet der Bundesverband Windenergie (BWE) einen weiteren Bruttozubau von Windenergie von 8 bis 8,5 GW.7 Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) sieht dagegen eine leicht rückläufige Entwicklung beim Photovoltaikzubau und befürchtet eine Verschlechterung der Förderkulisse und der regulatorischen Rahmenbedingungen.8
Die geopolitischen Spannungen führen auf den Agrarmärkten im Wesentlichen zu höherer Preisvolatilität bei Agrargütern und Betriebsmitteln, wie beispielsweise Energie, Düngemittel und Baustoffe. Darüber hinaus werden die Kosten für Betriebsmittel auch durch die zu Jahresbeginn 2026 gestiegene CO2-Steuer auf Heiz- und Kraftstoffe steigen, und ab 2026 wird der CO2-Grenzausgleich der EU importierte Mineraldünger verteuern.9
Grundsätzlich sind volatile Agrarmärkte (etwa auch aufgrund von Witterungsereignissen) nichts Neues für die Landwirtschaft. Daher erwarten wir durch die internationalen Krisen keine nennenswerten Auswirkungen auf unser Fördergeschäft. Nur in extremen Szenarien ist bei Investitionen in der Landwirtschaft eine Zurückhaltung zu erwarten. Als Instrument bieten wir Liquiditätssicherungsdarlehen an.
Der deutsche Agrarexport in die USA ist von untergeordneter Bedeutung (1,3 % am deutschen Agrarexport)10, sodass sich die Erhebung von Zöllen durch die USA bis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel Weinbau) nicht nennenswert auf die deutsche Landwirtschaft auswirkt. Die US-Zollpolitik dürfte daher unser Fördergeschäft ebenfalls kaum beeinträchtigen.
Im Januar des laufenden Jahres wurde von EU und südamerikanischen Ländern ein umfangreiches Freihandels-Abkommen unterzeichnet (Mercosur-Abkommen), das derzeit beim Europäischen Gerichtshof zur Prüfung liegt. Damit entsteht die größte Freihandelszone der Welt, in der die Zölle auf über 90% der Exporte abgeschafft werden. Für die deutsche Agrarwirtschaft verbessert sich dadurch der Zugang zu den Märkten der Mercosur-Staaten, z.B. für Milchprodukte, Süßwaren, Frischobst und Wein, insbesondere auch für Bio-Produkte und verarbeitete Lebensmittel. Ferner gibt es einen verbesserten Schutz für traditionelle geografische Erzeugnisse (z.B. „Schwarzwälder Schinken“). Die Öffnung des europäischen Marktes für den Import von Rindfleisch, Geflügel, Zucker, Ethanol ist durch Lieferquoten, lange Übergangsfristen und bilaterale Schutzklauseln begrenzt. Einfuhren aus den Mercosur-Staaten unterliegen auch weiterhin den Anforderungen nach EU-Recht.11 Derzeit ist unklar, wann das Abkommen in Kraft tritt. Auswirkungen auf unser Fördergeschäft erwarten wir nicht.
Das gleiche gilt für das aktuelle Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. Während sich für die deutsche Agrarwirtschaft dadurch der Zugang zum indischen Markt verbessert, sind bestimmte europäische Agrarsektoren vollständig geschützt, da Produkte wie Rindfleisch, Hühnerfleisch, Reis und Zucker von der Liberalisierung ausgenommen sind. Alle Einfuhren aus Indien unterliegen ebenfalls den Anforderungen nach EU-Recht.12