Agrarnahe Unternehmen
Die agrarnahen Unternehmen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette leisten einen zentralen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Agrarnahe Unternehmen sind Betriebe, die nicht direkt landwirtschaftliche Produkte erzeugen, sondern in den vor- oder nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft tätig sind. Das bedeutet, dass sie landwirtschaftliche Betriebe unterstützen und beliefern oder deren Produkte verarbeiten. Beispiele hierfür sind Düngemittelhersteller, Landmaschinenhersteller, landwirtschaftliche Lohnbetriebe, Futtermittelproduzenten, Lebensmittelverarbeiter oder Händler. Kurz zusammengefasst: Agrarnahe Unternehmen sind Firmen, die durch ihre Produkte oder Dienstleistungen die Landwirtschaft ermöglichen.
Die landwirtschaftliche Primärproduktion ist strukturell in ein komplexes Netzwerk aus Vorleistungsindustrien, Verarbeitung, Vermarktung und Handel eingebettet. Diese enge Verflechtung betont die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Agribusiness, insbesondere hinsichtlich Ernährungssicherheit, Versorgungskontinuität und regionaler Wirtschaftsentwicklung. Das Agribusiness zählt zu den größten Industriezweigen im verarbeitenden Gewerbe und zeichnet sich durch eine hohe Konjunkturresistenz aus.
Die Wettbewerbsposition landwirtschaftlicher Betriebe hängt maßgeblich von ihrer Einbindung in die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten ab. Preise, Abnahmebedingungen, Investitionssicherheit und Innovationsfähigkeit werden wesentlich durch die Vertragsbeziehungen mit Verarbeitern, Vermarktern und dem Handel beeinflusst. Eine stabile und partnerschaftliche Einbindung in die Wertschöpfungskette ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für landwirtschaftliche Unternehmen.
Zum vorgelagerten Bereich gehören Unternehmen, deren Tätigkeiten darauf abzielen, die landwirtschaftliche Primärproduktion zu ermöglichen, zu unterstützen oder zu verbessern. Dazu zählen unter anderem Anbieter von Betriebsmitteln, Landtechnik und Lohnunternehmen.
Der nachgelagerte Bereich umfasst alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die auf die landwirtschaftliche Erzeugung folgen. Dazu zählen insbesondere die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Innerhalb dieses Segments nimmt die Ernährungsindustrie eine zentrale Rolle ein. Sie ist der umsatzstärkste Bereich im Agribusiness und trägt maßgeblich zur Wertschöpfung bei.
Laut dem Konjunkturbarometer Agribusiness der deutschen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY gemeinsam mit der Georg-August-Universität Göttingen und der Justus-Liebig-Universität Gießen hat die Branche im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 299 Mrd. EUR erzielt, was einem Anstieg von 3,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Ernährungsindustrie trägt mit etwa 240 Mrd. EUR rund 80 % zum Gesamtumsatz bei, wobei insbesondere die Fleisch- und Milchwirtschaft zu den bedeutendsten Teilsektoren zählen.
Wachstum trifft Wandel: Die Agrar- und Ernährungsbranche im Umbruch
Trotz dieser positiven Entwicklung steht die Branche vor großen Herausforderungen. Dazu gehören wachsende Unternehmensgrößen, ein steigender Kapitalbedarf infolge von Automatisierung, Digitalisierung und Spezialisierung sowie volatile internationale Märkte und Handelsbedingungen. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede zwischen den Teilsektoren: Während die Ernährungsindustrie weiterhin wächst, verzeichnet die Landtechnikbranche rückläufige Umsätze, unter anderem bedingt durch politische Unsicherheiten und fehlende Planungssicherheit für landwirtschaftliche Investitionen.
Ein weiterer zentraler Einflussfaktor sind sich verändernden Verbraucherpräferenzen. Aspekte wie Tierwohl, Nachhaltigkeit und Regionalität gewinnen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig achten Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkauf wieder stärker auf den Preis, während die Nachfrage nach zeiteffizienten und einfach zuzubereitenden Lebensmitteln steigt.
Diese Entwicklungen erhöhen den Investitions- und Anpassungsdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Unternehmen, die auf innovative Technologien, datenbasierte Prozesse und nachhaltige Produktionsmethoden setzen, sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig und leisten einen Beitrag zur Transformation des Agrarsektors.
Aufschwung beim Neugeschäft der agrarnahen Unternehmen
Die Förderkredite der Kundengruppen für die vor- und nachgelagerten Bereiche der Landwirtschaft unterstützen gezielt agrarnahe Unternehmen, damit sie effizienter, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger agieren können. Im Geschäftsjahr 2025 verzeichneten die agrarnahen Unternehmen nach zwei rückläufigen Jahren einen deutlichen Aufschwung. Das Neugeschäft stieg auf rund 844 Mio. EUR und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert. 44 % beziehungsweise 373 Mio. EUR entfielen auf Maschineninvestitionen, die damit den größten Anteil darstellen. Gebäudefinanzierungen folgten mit 26 % und einem Volumen von 219 Mio. EUR. Die Nachfrage nach Förderkrediten für Betriebsmittel ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Unternehmen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft profitieren von attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten, da diese Kredite mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren angeboten werden. Insgesamt entfielen 197 Mio. EUR beziehungsweise rund 23 % des Neugeschäfts in dieser Sparte auf Betriebsmittelkredite.
Neugeschäft Kundengruppe „Agrarnahe Unternehmen“ in Mio. EUR

Neuzusagen nach Verwendung in Mio. EUR

Neugeschäft der Lohnunternehmen in der Kundengruppe „Agrarnahe Unternehmen“
