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Infrastruktur für Faser- und Schäbenverwertung

Damit die Nutzung der gesamten Pflanze gewährleistet ist und Verarbeitungsmöglichkeiten breit verfügbar sind, muss die entsprechende Infrastruktur weiter ausgebaut werden.

Neben den Herausforderungen, die Landwirte beim Verkauf ihrer Öl- und Proteinderivate erleben, gibt es weitere Teile der Hanfwertschöpfungskette, die Verbesserungspotenzial aufweisen. Vor allem die Verarbeitung von Fasern und Schäben erfordert erhebliche Investitionen und gemeinschaftliche Anstrengungen.

Bei der Faserverarbeitung fällt als Koppelprodukt der gebrochene Holzkern des Hanfstängels an. Diese als Schäben bezeichneten Anteile machen circa 50 bis 60 % des Stängels aus (Eichhoff et al., 2023). Um aus Nutzhanf einen wertvollen Baustoff zu gewinnen, muss zunächst die Feldröste stattfinden. Im Anschluss wird das Hanfstroh in einer Auftrennungsanlage mechanisch bearbeitet und die Fasern von den Schäben getrennt.

Stakeholder beschreiben hier ein Henne-Ei-Problem: Landwirte sind zögerlich, Hanf für die Produktion von Fasern und Schäben anzubauen, da die notwendigen Einrichtungen für die Trennung und Verarbeitung oft noch zu weit entfernt liegen, um wirtschaftlich tragfähig zu sein. Im
Gespräch kristallisierte sich in Anbetracht des Aufwands und der aktuellen Kraftstoffkosten eine maximale Distanz von 60-80 km vom Feld bis zur nächsten Verarbeitungsanlage heraus. Weiter würde sich nach Angaben der Interviewpartner der Transport des voluminösen Rohstoffs finanziell oft nicht mehr lohnen. Gleichzeitig werden Investitionen in die Anlagen verzögert, da das nötige Volumen an Rohmaterial nicht gesichert ist, mit dem sich die Investition rechnen würde. Um wirtschaftliche Verarbeitungsstrukturen zu ermöglichen, wird geschätzt, dass der Hanfanbau von derzeit 7.000 ha deutlich auf 40.000 bis 60.000 ha gesteigert werden müsste (DIL, 2024).

Unternehmen wie die BAFA Neu GmbH haben ihren Sitz in Deutschland, betreiben ihre Anlagen jedoch in Frankreich, wo sie Zugang zu ausreichendem Rohmaterial haben, um ihre Aktivitäten gewinnbringend und ökonomisch nachhaltig zu gestalten. In den Stakeholder-Interviews wurde oft auf Firmen wie Dun Agro oder HempFlax in den Niederlanden und Belgien verwiesen, die Zuverlässigkeit durch die Integration der gesamten Wertschöpfungskette generieren. Durch Vertragsanbau und Abnahmegarantien erhalten Landwirte mehr Sicherheit, da sie ihre Erzeugnisse garantiert verkaufen können.

Gleichzeitig wird die Investition in große Aufschlussanlagen rentabler, und die Skalierung der Produktion erleichtert den Umgang mit Qualitätsschwankungen. Derzeit gibt es solche Modelle in Deutschland nur in kleinerer Größenordnung und lokal begrenzt – es wurde allerdings von einzelnen größeren Investitionsvorhaben in Deutschland berichtet. Eine bessere Koordination von Angebot und Nachfrage durch Vertrags anbau sowie die Bildung von Kooperativen und gemeinsamen Investitionen könnten der Schlüssel zu einer flächendeckenden Infrastruktur mit Aufschlussanlagen sein.

Abgesehen von großen Aufschlussanlagen wurde auch über kleinere, mobile Anlagen gesprochen, die bei entsprechender Bestellhäufigkeit oder koordinierter Einkaufsprozesse mehrerer Interessenten möglich würden.

Eine Lösung haben die Hanfanbauer Werra-Meißner für ihre Anbaugemeinschaft erarbeitet: Sie bauen die Zweinutzungssorte Uso-31 an, bei der sie sowohl Nüsse als auch Hanfstroh verwerten. Während die Anbaugemeinschaft die Hanfnüsse an Ölmühlen und Taubenzüchter vermarktet, verarbeitet sie das Stroh in einer eigens entwickelten Pelletiermaschine zu hochwertigen Pellets für die Pferde- und Geflügelhaltung (Kreisbauernverband Werra-Meißner e. V., 2023).