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Zusammenfassung

Um die Ernährungssicherheit bei gleichzeitiger Deckung des steigenden Bedarfs der Energie- und verarbeitenden Industrie zu gewährleisten, müssen die Produktion durch biologische Systeme erhöht und die Nutzung der Ressourcen effizienter werden. Diese zukünftige Wirtschaft auf Grundlage biobasierter Ressourcen und zirkulären Prozessen wird Bioökonomie genannt. Um das Potenzial geeigneter Wertschöpfungsketten zu heben, müssen Skalierungshemmnisse aufgelöst und Innovationslücken überbrückt werden. Dazu hat das RootCamp als Innovationhub mit den Bioeconomy Deep Dives ein Format entwickelt, das auf Basis einer zukunftsgerichteten Analyse die Identifikation dieser Limitationen ermöglicht. Durch direkte Beteiligung relevanter Akteure aller Wertschöpfungsstufen wird eine konkrete Umsetzung von Lösungsansätzen möglich. Die Bioeconomy Deep Dives wurden von der Landwirtschaftlichen Rentenbank und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegeben. Für den ersten Durchgang des Formats wurde, auf Basis objektiver und qualifizierender Kriterien, die Nutzhanfwertschöpfungskette ausgewählt.

Hanf gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Europas und ist daher hervorragend an die lokalen Bedingungen angepasst. Der Hanfanbau leistet einen wichtigen ökologischen Beitrag, indem er Fruchtfolgen auflockert und aufgrund seines schnellen und robusten Wachstums wenig bis keine Pflanzenschutzmittel benötigt. Zusätzlich kann durch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der gesamten Pflanze die regionale Wertschöpfung gesteigert werden. Trotz dieser Stärken bleiben Anbau und Verarbeitung von Nutzhanf in Deutschland hinter ihrem Potenzial zurück.

Durch die Analyse der einzelnen Wertschöpfungsstufen konnten Innovationslücken und Skalierungshemmnisse des Nutzhanfanbaus definiert werden: Trotz insgesamt hoher Expertise ist diese in teilweise isolierten Expertenclustern verteilt. Ohne systematischen und zentralen Austausch entlang der Wertschöpfungsstufen wird die Verbreitung von Wissen und Erfahrungswerten verlangsamt. Regulatorische Hürden erschweren den Anbau und das Fehlen moderner Sorten limitiert den Ertrag. Für die anbaunahe Verwertung von Fasern und Nüssen fehlt eine flächendeckende Verarbeitungsinfrastruktur. Restriktive Regulatorik, fehlende Normierungen sowie begrenzte Erfahrungswerte benachteiligen den Einsatz als nachwachsenden Rohstoff im Bausektor. Auch für die Nutzung von Hanfprotein in der Humanernährung gibt es Entwicklungsbedarf.

Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse wird empfohlen, die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten von Nutzhanf durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung stärker bekannt zu machen. Hierbei muss die Kommunikation strategisch auf die jeweiligen Zielgruppen  abgestimmt werden. Zudem wird die Förderung von Forschung, Züchtung und Verarbeitungsinfrastruktur sowie die Anpassung von Standards im Bauwesen empfohlen, um Nutzhanf wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen. Das Potenzial einer Nutzung des proteinhaltigen Koppelprodukts aus der Ölpressung in der Humanernährung sollte durch Kooperationen zwischen Forschung und Industrie gehoben werden.

Summary

In order to ensure food security whilst meeting the growing demand of the energy and processing industries, production must be increased through biological systems and the utilisation of resources must become more efficient. This future economy based on bio-based resources and circular processes is called the bioeconomy. In order to realise the potential of suitable value chains, barriers to scaling must be overcome and innovation gaps bridged. As an innovation hub, RootCamp has developed the Bioeconomy Deep Dives, a format that enables the identification of these limitations based on a future-oriented analysis. This enables the concrete implementation of solutions with direct participants.

The Bioeconomy Deep Dives were commissioned by the Landwirtschaftliche Rentenbank and the Federal Ministry of Food and Agriculture (BMEL). For the first round, the industrial hemp value chain was selected on the basis of objective and qualifying criteria.

Hemp is one of the oldest cultivated plants in Europe and is therefore perfectly adapted to local conditions. Hemp cultivation makes an important ecological contribution by loosening up crop rotations and the fast-growing, low-maintenance crop does not require any pesticides. In addition, the diverse utilisation possibilities of the entire plant can increase regional added value. Despite these strengths, the cultivation and processing of industrial hemp in Germany still falls short of its potential.

By analysing the individual stages of the value chain, it was possible to define gaps in innovation and barriers to scaling up the cultivation of industrial hemp: Despite overall considerable expertise, this is distributed in isolated clusters of experts. Without systematic and centralised exchange along the value chain, the dissemination of knowledge and experience is slowed down. Regulatory hurdles make cultivation more difficult and the lack of modern co-utilisation varieties limits yields. There is a lack of processing infrastructure for the utilisation of fibres and seeds close to cultivation. Restrictive regulation and a lack of standardisation and experience are disadvantageous to the use of renewable raw materials in the building sector. There is also a need for development for the utilisation of hemp protein in human nutrition. Based on the collected findings, it is recommended that the versatile application possibilities of industrial hemp be publicised more widely through targeted public relations work and knowledge transfer, whereby communication should be strategically tailored to the respective target groups. In addition, the promotion of research, breeding and processing infrastructure as well as the adaptation of standards in the construction industry are recommended in order to make industrial hemp economically competitive. The potential of utilising the protein-containing by-product  from oil pressing in human nutrition should be increased through cooperation between research and industry.